1.      Grüne-Wände, Frische-Theken und Hochwertige Verpackungen – In der Supermarkt Branche passiert gerade viel, auch bei Discountern. Wie sehen Sie diesen Schritt?

a.       Allem in allem ist der LEH (Lebensmittel Einzelhandel) längst überfällig mit neuen Konzepten im Vergleich zum Ausland. Deutschland hat sich zu lange auf der Preisattraktivität und den internen Kämpfen der „big 5“ (Edeka, Rewe, Lidl, Aldi, Tengelmann) konzentriert – nun kommt Wind in die Geschichte, denn Lidl macht sich an die emotionalen Welten von Edeka und Rewe heran mit viel Kraft, Farbe und Marketing. Der Online Handel im LEH ist noch klein und wird sehr unterschätzt , denn wie in anderen BrAnchen auch werden hier schnelle Firmen die langsamen überholen und neue Konzepte wie Emma´s Enkel oder Kochhaus haben gezeigt , das Sachen die man für unmöglich oder unwirtschaftlich hielt Erfolg haben.

b.      Die Supermärkte werden emotionaler – testfreudiger und verschmelzen zur Gastronomie – EATALY ist ein Paradebeispiel – aber auch Edeka zieht in einigen Filialen bereits nach … nicht so konsequent – weil man  sich nioch als Nahversorger sieht, doch das wird sich in der nächsten Zeit sicherlich ändern.

c.       Discounter sind ein bewährtes Produkt doch in Zeiten des online und der Vergleichbarkeit, der hohen Emotionalisierung und des ständigen Preisdruckes, müssen auch hier neue Wege gegangen werden. Sowohl in der Architektur, Ladenbau, Licht und Atmosphäre, als auch in einem gewissen trading up – in punkto Marken und Nachhaltige, biologische, gesunde Produkte. Lidl geht da seinen Weg in Richtug Supermärkte, Aldi ist seiner Discounter Schiene eher treu geblieben. Doch auch hier wird viel probiert, in Bezug auf Farbe, Bilder, Umgebung…

2.      Wie können Emotionen in die Produktpräsentation von Supermärkten eingesetzt werden?

a.       Jeder verbindet mit der Emotion etwas anderes, der eine findet ein Lächeln schon emotional und der andere sieht eine Erleichterung im Einkauf als Emotionalen Mehrwert an. Wir in der verkaufsfördernden Architektur,  verstehen darunter eher die Produktdarstellung, das Probieren und der leichten Orientierung. Zukünftig wird das nicht mehr reichen, ein Mix aus Restauration, frische, schnelle Rezepturen mit den Produkten, Patenschaften mit Produkten und die Erleichterung bei täglichen Bedarfsprodukten werden immer wichtiger.

b.      Online wird alles gekauft oder bereitgehalten, was man täglich braucht, ob es mit einer Kundenkarte getan ist bezweifle ich, auch der intellektuelle Einkaufszettel wird nur bedingt von Nutzen sein. Der Bedarf wird dort gedeckt, wo man ihn sofort erkennt, wenn einem Das Klohpapier ausgeht, dann wird man noch vor Ort eine Bestellung an seinen online Lieferanten schicken – beim Waschmittel dasselbe und bei einigen Sachen im Kühlschrank kann ich mir das gut vorstellen.

c.       Guilette hat seine Trockenrasierer mit dem Internet verbunden und misst die Schärfe und die Abnutzung der Klingen, dann frägt der Rasierer dich, ob du neue Klingen bestellen willst… viele Versuche am direkten Point of Situation werden digital … somit ist ein Vergessen oder Mist das muss ich noch besorgen – Schnee von gestern.

d.      Wenn man nun diese Entwicklungen sieht, dann ist klar das der Kunde nur noch zur Bedarfs Weckung in den Laden geht und dann will er natürlich auch angesprochen werden und etwas lernen in unterhalterischer Form. Kochkurse im Verkaufsraum, gedeckter Tisch – Knigge Seminare und vieles mehr können hier die Hormone ins wallen bringen und somit wird auch die Lust nach dem Produkt und dem etwas mehr gedeckt.

3.      Was für eine Rolle spielt die Auswahl der verschiedenen Farbelemente?

a.       Farbe ist ein Statement, Farben strukturieren, organisieren. Farbe kann Bereiche hervorheben und andere Bereiche verschwimmen und sogar neutralisieren. Deshalb ist es wichtig das man mit Farben gezielt und gekonnt umgeht. Farbe sollte aber nicht das Produkt verfälschen oder gar dem Produkt die Show nehmen. Lichtfarbe und Wandfarbe haben ähnliche Wirkung, sind aber von der physischen Zusammensetzung komplett unterschiedlich. Die Lichtfarben neutralisieren sich uznd ergeben weiss und die Wandfarben decken einander und ergeben eine dunkle Sosse. Die Wirkung der Farben und des Lichtes sind ähnlich – beide wirken auf die Psyche und die neurologischen Zusammenhänge beim Menschen. Warme, rötliche Töne schütten andere Hormone aus  und entwickeln andere Emotionen als kalte, blaustichige Töne …

b.      Farbe und auch Licht können Ware, die Umgebung und somit auch das Ambiente insgesamt  wertiger erscheinen lassen – aber falsch eingesetzt auch sehr viel billiger und „schäbiger“.

c.       Farbige Bereiche bringen sehr viel Kraft in den Raum und mit dieser Kraft und dem Kontrast muss die Ware und die Umgebung zurechtkommen. Wenn es das Produkt, die Dienstleistung oder die Unternehmensphilosophie nicht zuläßt, dass der Raum kräftig und energiegeladen ist, dann muss die Farbe abgeschwächt und neutralisiert werden.

4.      Bei Aldi werden noch immer Paletten ausgelegt mit Ware – Wo geht der Trend hin?

a.       Das sind sicherlich noch ältere Filialen, denn auch bei Aldi hat man gemerkt, dass die Kunden mittlerweile andere Dinge erwarten und das die Kundenzufriedenheit nicht mehr nur den Preis beinhaltet. Gerade die Hardcore Discounter können nur noch mit dem Preis trumpfen, doch sobald es in den Markendiscount, Frische , Bio und Fair Trade geht, ist der Preis auch ein Identifikationsmittel für wahre Qualität. Denn der Kunde ist aufgeklärter und auch Kostensensibler geworden. Er weiß, das Qualität, Biofleisch oder Biogemüse limitierte Ressourcen und somit nicht unbegrenzt günstig zu bekommen sind.

Hier einen Discountpreis zu halten ist sehr sensibel zu betrachten, denn sobald ein Vertrauensvorschuss als Lüge oder teilweise unwahr klassifiziert  wird, kann das verheerende Folgen für das gesamte Unternehmen und alle Produkte bedeuten.

b.      Der Trend geht in die Frische und die Mehrwertschaffung für die Kunden- Standard Einkäufe werden automatisiert und vereinfacht. Gesundheit und Vorsorge sind Mega Trends – die sich auch in dem LEH bemerkbar machen und dazu gehört natürlich auch die Allergiker Ernährung, fleischlose Ernährung und Kraftschöpfende Nahrungsmittel. Alle Dienstleistungen, welche man darum herum macht, sind gute Ansätze für Cross Selling und Spontankäufe .

c.       Aldi hat ja bereits Erfahrung im non Food bereich und ich denke hier kann man einiges erwarten …

5.      Die Marketingaktion von LIDL, in der der Discounter zu den Premiummarken aufstoßen möchte, hat für Aufsehen gesorgt und ein Umdenken bewirkt. Wie sehen Sie das?

a.       Das stimmt und ich bin sicher, dass Lidl dadurch auch bei den Kunden und neuen ZG Aufsehen erregt hat. Gerade die jüngere Generation die den Discount Markt / Krieg nicht so verfolgt hat und auch aus einer gesättigten Welt kommt, ist es sicherlich das richtige Zeichen, um neue Kunden zu gewinnen.

b.      Die Welt hat sich bereits verändert, haben wir vor 15 – 20  Jahren noch teilweise Bedürfnisse gedeckt, Not gelindert und die Lebensumstände optimiert, hat die neue heranwachsenden Generation ganz andere Interessen. Werte verschieben sich von Besitzen wollen zu Teilen und man findet es „perfekt“ und nicht mehr „krass oder geil“ wenn man etwas mag.
Die Interessen sind auf die Lebensqualität Optimierung und  auf den Spaß Faktor konzentriert. Der Job gehört genauso zu dem lebensbejahenden und Lebensqualität steigernden Bereichen, wie die Freizeit. Durch das öffentliche Leben im Netz und der stetigen, omnipräsenten  Verfügbarkeit von Informationen und Fakten, verschwimmt das Leben zwischen den Bereichen.
Dieses Verhalten wirkt natürlich auch auf die LEH Branche und nicht nur dort. Automarken gehen mit UBER, Sixt, STATTauto etc… zusammen und verknüpfen neue Gedanken, Inspirationen und Ideen um sich der jungen Generation das Wort „perfekt“ zu erhaschen… denn ein Auto ist kein Prestige Objekt mehr.

c.       Bei LEH verschwimmen die Grenzen zwischen Discounter und Supermarkt. Plötzlich bietet der Discounter höherpreisige Lebensmittel an – neben seinem Sortiment, Bio und Fair Trade ziehen in den ehem. Discounter ein. Trotzdem bleibt die Preislage in einem Bereich den man sonst nirgends findet. Man gibt dem Kunden eine Wahlmöglichkeit und man appelliert mit der Werbung und den Emotionen, das der Kunde selbst entscheiden kann, ob er was für die Umwelt, Gesundheit – Nachhaltigkeit tun möchte .

d.      Lidl wird attraktiver für alle Zielgruppen und früher war es geil zu ALDI zu gehen, weil man es sich leisten konnte mit dem Porsche auf den Parkplatz zu fahren. Heute ist es „perfekt“ mit dem Radl zu Lidl zu fahren und sich ab und zu etwas teureres zu kaufen … um sein Gewissen zu beruhigen…

e.       Hier muss Aldi höllisch aufpassen nicht hinterher zu hinken und vor allem seine Eigenständigkeit zu verlieren. Wenn Lidl den Premiumsektor angreift, dann hat Aldi andere Chancen sich zu profilieren, es wäre sicherlich ein Fehler hinter herzu hecheln und ME – too zu sein. Jedenfalls in der Werbung … und der Öffentlichkeits Arbeit.

6.      Wie können Supermärkte sich in Zukunft den Zeitmangel der Kundschaft zu nutze machen?

a.       Mehrwert und Service bieten – Kochkurse, Reinigungskurse, Nachbarschaftshilfen – Waschservice, Handwerkskurse, Kosmetikkurse, – fördern, Lust auf die handwerklichen Fähigkeiten machen und vor allem soziale Netzwerke spinnen. Kinderwickelkurse – Gesundheitsberatung – schonende Zubereitung von Essen und wie wichtig ist es ausgeglichene Ernährung zu sich zu nehmen… der Supermarkt der Zukunft wird ein Erlebnis Ort werden, in dem man nicht mehr seine rituellen, eintönigen, täglichen Einkäufe tätigt, sondern in dem man sein tägliches Ritual zelebrieren und optimieren kann.